Drucken
Rubrik: Büchertagebuch

Die Weltbühne, Fortsetzung

Nr. 5 vom 1. März 1947
Auf S. 187 schreibt Wolfgang Harich : »… wer den Kapitalismus für eine jüdische Erfindung hält, (und Wertheim mit Krupp verwechselt) ist reif, von jedem dahergelaufenen demagogischen Scharlatan eingefangen zu werden…«
S. 192 antwortet M. Emile Kahn, Nachfolger Victor Baschs im Präsidium der ›Liga für Menschenrechte‹, auf die Frage »Wie denken Sie über die Beeinflussung der deutschen Jugend durch die Literatur?«: »…Ich sehe nicht, dass in Deutschland selbst sich ein wirklich spontan universell denkender Schriftsteller durchzusetzen vermag. Er hat keinen Boden dazu unter den Füssen.«
S. 193 findet man den  Begriff ›Entrüstungsindustrie‹: »… jene Kreise…, die die Welle nationaler Entrüstung auf synthetischem Wege herstellen… Die Welle nationaler Entrüstung ist eine deutsche Erfindung. Sie ist ein Teil der deutschen politischen Spielzeugindustrie…«
S. 195 stellt Friedrich Dobecius fest : »Immer wiederkehrende Verwunderung bereiten die nicht abreißenden Nachrichten über faschistische Umtriebe.«

Nr. 7 vom 1. April 1947
S. 283 notiert Edgar Morin unter der Überschrift ›Es gibt kein Europa mehr…‹: »In den Jahren von 1910 bis 1923 bedeutet Europa ›Vorstoß zum Universellen‹« – und er fährt fort: »So konnte sich kein klarblickender und weitherziger Geist, den es danach verlangte, die Höhen der Menschlichkeit zu erklimmen, anders als einen Europäer nennen.«
S. 289 gibt Gerhard Schultze-Pfaelzer die Kurzcharakteristik eines Mannes, den heute keiner mehr kennt: Hindenburgs Sohn Oskar. Der Aufsatz endet: »Leider Gottes gehört er dennoch in die deutsche Geschichte.«
S. 300 ein aufschlussreicher Beitrag zum Thema ›Der Schriftsteller‹ von Herbert Ihering. Schon der erste Satz: »Es wird heute viel über die Stellung des Schriftstellers in der Zeit gesprochen, über seine Aufgaben und seine Verantwortung…«?!
S. 303 gibt es einen engagierten Verriss eines kurzen Romans von Cläre M. Jung mit dem Titel »Aus der Tiefe Rufe ich«. (Rezensent: Heinz Rein)
S. 309 resümiert Herbert Wendt über das damalige ›gegenwärtige Kulturleben‹: »Nur ja keine Klarheit, so scheint es überall zu heißen, je verschwommener wir die Dinge machen, desto weniger werden wir uns an ihnen stoßen. Die nackte Wahrheit löst Schockwirkungen aus, also wird sie umhüllt, umkleidet, vernebelt, bis sie nicht mehr zu erkennen ist.«