Grzk

Zu den bemerkenswertesten Errungenschaften des Yagir gehört noch immer – und besser denn je – das Bäumchen-wechsle-dich-Spiel: Frau zu Mann und Mann zu Frau und wieder zurück. Wo gestern Frau war, ist heute Mann, wo heute Mann ist, ist morgen Frau und übermorgen etwas ganz anderes, zum Beispiel ein heute noch weitgehend unbekanntes Rollenspiel, das binnen kurzem die Kleiderschränke und Standesämter erobert, denn auf den Stand kommt es an. Der Stand eines Menschen ist der Stand der Dinge: So könnte man die herrschende Denkart des Yagir bündig umreißen. Steht einer gut, so steht es gut um die Gesellschaft, steht einer mit ihr auf Kriegsfuß, so steht es schlecht um sie. Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist die Gesellschaft, es gibt kein anderes. In diesem Verhältnis zieht immer eines den Kürzeren: so will es das Los. Es verteidigen heißt die Probleme am falschen Ende aufziehen, es kommt aber darauf an, es zu wechseln. Professionelle Geschlechtswechsler reiten ihre Beziehungen nicht langsam zu Tode, sondern verwandeln sie in Bezüge, von denen man nie genug besitzen kann. Als Geheimcode, den jeder kennt, benützen sie ein Kunstwort: Grzk. Spötter behaupten, darin stecke das Große ZK, das Große Zentralkomittee, das alle Bezüge kennt und kontrolliert, indem es hier und da eine Verbindung blockiert und eine andere aufbaut, ohne dass die Betreffenden recht davon Wind bekommen. Den Leuten ist es peinlich, von ihrem Grzk zu reden, sie würden gern übers Geschlecht reden und wie es sie steuert, aber das Grzk kommt ihnen dabei jedesmal in die Quere und deshalb sagen sie nichts außer: Grzk. Seminare über Grzk-Fragen sind stets ausgebucht, man erfährt nichts in ihnen, aber man versteht, dass die Grzk-Frage über allen anderen ragiert und gelöst werden muss. Natürlich hat auch die bleiche Chefin längst erkannt, dass sich die Leute am leichtesten über die Grzk-Frage steuern lassen, deshalb beschäftigt sie in ihrer Regierung fast ausschließlich Windbeutel, die nach dem Studium der Grzk-Frage direkt in die Politik strebten, um dort Grzk-Politik betreiben. Das ist einfach und erlaubt es, sich überall einzumischen, gleichgültig um die Folgen: Grzk bleibt Grzk, da hilft keine Expertise, es sei denn, sie hilft grzken.

 

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