Renate Solbach: Knüppelschwinger

Die schärfsten Knüppelschwinger im Yagir sind gut gekleidet und kommen gerade vom Essen mit Freunden. Sie wollen zeigen, dass sie es draufhaben und zu Recht als Erwählte gelten. Woran alle Welt zweifelt, das nageln sie dem Nächstbesten an die Stirn und verkünden: So ergeht es jedem, der Zweifel sät. Zweifel sät man nicht, man verbeißt ihn. Mag sein, sie halten jeden, dessen Stirn bereits blutet, für einen blutigen Anfänger, den man einweisen sollte. Das Niederknüppeln überlassen sie ihren Lakaien, sie knüppeln auf. Ihre Vorliebe für den Nächstbesten wird durch keinen Hass übertroffen, sie regelt sich in Prozenten. Ein Prozent hier, ein Prozent da, so denken sie und der Knüppel saust. Ginge es ums Geld, man könnte sie verstehen, aber es geht um Prozente. Verstehe das, wer will! Im Prozent liegt Macht. Ein Prozent mehr oder weniger und die Macht sucht sich einen neuen Patron. Wer will das denn? Bereits der Gedanke an den Übergang ängstigt. Und dann: der Neue! So weiß man, was man hat. Wenn Macht versteinert, bekommt sie Löcher. Darin lässt sich hausen. Unter Niveau, aber: bequem.

 

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